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How to Ehegelübde
Teil 5: Dos & Don’ts beim Ehegelübde vortragen

Freie Traurednerin aus OWL Marie Scharffenorth im Profil bei Traurede

Das Schreiben deines Ehegelübdes ist das eine. Das Ehegelübde vortragen das andere. Doch das Wichtigste zuerst: In erster Linie sind die Gelübde für dich und deinen Partner bzw. deine Partnerin. Niemand erwartet eine spezielle Performance von dir. Und solange du authentisch bleibst und bewusst bei dir bist, machst du alles richtig.


Dos beim Ehegelübde vortragen

1. Du selbst sein

Einer der wichtigsten Punkte (nicht nur beim Thema Ehegelübde vortragen): Bleib authentisch! Versuche nicht, eine Rolle zu spielen, jemand anderes zu sein oder einen speziellen Stil zu erfüllen. Wenn du im echten Leben kein wilder Gestikulierer bist, fange damit nicht während deines Versprechens an. Niemand erwartet, dass Brautpaare beim Ehegelübde einen perfekten Vortrag hinlegen. Denn die wenigsten sind ausgebildete Redner/innen. Deine Worte müssen nicht theatralisch vorgetragen werden. Sondern genauso, wie du bist. Authentizität ist das, was berührt.

2. Das Gelübde im Vorfeld laut vorlesen

Du musst dein Gelübde natürlich nicht auswendig lernen. Das erwartet niemand. Doch lies dir deine Rede schon vor der Trauung mehrfach laut vor. Neben dem handschriftlichen Schreiben ist das laute Vorlesen ein Tool, um sich den Text einzuprägen und sicherer beim Ehegelübde vortragen zu sein. So musst du die Rede am Hochzeitstag nicht komplett ablesen. Gleichzeitig merkst du durch das laute Vorlesen, ob sich einzelne Worte, Sätze und Abschnitte natürlich anfühlen oder du noch etwas ändern möchtest.

3. Das Gelübde auf Papier dabeihaben

Ob Zeile für Zeile vollständig aufgeschrieben oder in Stichpunkten: Beide Varianten sind vollkommen in Ordnung. Das Papier ist eine Stütze und kein Zeichen von Unsicherheit. Es gibt dir Halt und lässt dich entspannter sprechen. Nimm am besten festere Sprechkarten. Lose Blätter knistern und geben dir keine Stabilität

4. Einen sicheren Stand haben

Ja, du solltest bei deinem Ehegelübde auf jeden Fall stehen. Und zwar ruhig, stabil und mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Dieser sichere Stand gibt dir und deinem Körper Halt und Sicherheit, wirkt beruhigend auf die Atmung und stärkt deine Stimme. Gleichzeitig wirkt ein stabiler Stand nach außen ruhig und präsent.

5. Den Partner oder die Partnerin anschauen

Dein Ehegelübde ist kein Vortrag für eure Gäste, den Boden unter deinen Füßen oder die Leere hinter deinem Gegenüber. Sondern es ist ein ganz persönlicher und intimer Moment zwischen dir und deine/r Partner/in. Ja, eure Gäste hören es. Aber die einzige Person, die du dabei anschauen solltest, ist deine zukünftige Ehefrau bzw. deinen zukünftigen Ehemann. Schau ihr oder ihm in die Augen und sprich direkt zu deinem Gegenüber.

6. Dir Zeit lassen und Pausen machen

Generell solltest du beim Ehegelübde vortragen so sprechen, wie du es im Alltag auch tust. Allerdings gibt es ein paar kleine Ausnahmen. Zum einen, weil es eben ganz besondere Worte sind. Zum anderen, weil man durch die Nervosität dazu neigt, eben nicht so zu sprechen, wie man es unter normalen Umständen macht. Sprich langsamer, als du es sonst tun würdest und mach Pausen. Das ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern gibt deinen Worten Raum und lässt sie viel intensiver wirken.

7. Bewusst atmen

Vor dem Start deiner Rede solltest du ein paar Mal tief durchatmen. Das beruhigt dich und gibt dir Energie. Wir neigen dazu (ich auf jeden Fall) das Luft holen tatsächlich zu vergessen oder nur sehr flach zu atmen, wenn wir „im Tunnel“ oder nervös sind. Versuche darauf zu achten, während des Sprechens bewusst Luft zu holen. Teile dir dafür z.B. deine Rede in kürzere Abschnitte ein oder schreibe tatsächlich auch „Atmen“ hinter einen Abschnitt. Sonst kann es passieren, dass du schnell außer Puste bist. Außerdem hilft eine ruhige Atmung gegen Nervosität und sorgt für eine klare Stimme.

8. Emotionen zulassen

Ganz egal ob Lachen, Tränen oder eine stockende Stimme: All das ist menschlich, vollkommen ok und gehört zu diesem Moment dazu. Du musst deine Gefühle nicht kontrollieren oder verstecken. Ganz im Gegenteil: Lass sie zu und zeig sie. Deine Emotionen sind zu keinem besseren Zeitpunkt aufgehoben.

Don’ts beim Ehegelübde vortragen

1. Nicht perfekt sein wollen

Eine allgemeingültige Perfektion ist eine Illusion. Perfektion erzeugt Druck. Perfektion braucht niemand. Also verabschieden wir uns von dem Gedanken, das Gelübde perfekt vortragen zu müssen. Versprecher sind ok. Pausen sind ok. Zwischendurch tief Luft holen müssen ist ok.

2. Nicht während der Rede herumhampeln

Auch dazu neigen wir: Wenn wir nervös sind, zappeln wir herum. Doch dieses Herumzappeln macht uns wiederum nervös. Ein Teufelskreis. Darüber hinaus lenken unruhige Bewegungen von deinen Worten ab. Versuch ruhig zu stehen, halte dein Papier sicher und konzentriere dich auf deine Atmung.

3. Nicht alles ablesen

Ja, du sollst deine Rede als Text oder in Stichpunkten dabeihaben. Nein, du sollst es nicht komplett ablesen. Denn wenn dein Blick dauerhaft am Papier klebt, geht die Verbindung zu deinem Partner bzw. deiner Partnerin verloren. Nutze deine Sprechkarten als Unterstützung und versuche, immer wieder aufzublicken.

4. Nicht in der Gegend herumschauen

Natürlich hören auch die Gäste die Ehegelübde. Doch der Fokus von dir liegt auf deinem Partner bzw. deiner Partnerin. Das schafft Verbindung, gibt dir Halt und macht den Moment viel intensiver und intimer.

5. Nicht durch das Gelübde sprinten

Nervosität verleitet dazu, schneller zu sprechen. Doch das birgt die Gefahr, dass du alle abhängst, niemand dir folgen kann du anfängst du nuscheln. Also: Schalte einen Gang runter. Wenn es dir zu langsam vorkommt, ist es meist genau richtig.

6. Dich nicht entschuldigen

Wir haben es schon geklärt: Versprecher oder ungeplante Pausen sind vollkommen in Ordnung. Also entschuldige dich nicht dafür während deiner Rede. Entschuldigungen reißen dich und auch die anderen oft unnötig aus dem Moment heraus. Bleib einfach ruhig und sprich weiter. In den meisten Fällen fällt es sowieso niemandem auf.

7. Nicht zu leise sprechen

Viele Menschen sprechen sehr leise, wenn sie aufgeregt sind. Doch deine Worte sollen gehört werden! Wenn du denkst, es ist ein Mü zu laut, ist es meist genau richtig. Im best case habt ihr Mikros zur Hand, welche das Lautstärken-Problem lösen.


Last but not least: Die Ehegelübde sind keine Show, sondern ein sehr persönlicher und intimer Moment mit deinem Partner bzw. deiner Partnerin. Du musst nichts perfekt machen, kein Rede-Profi sein und niemanden darstellen, der du nicht bist.

Sei einfach du selbst. Stehe, spreche und atme bewusst und fühle diesen ganz besonderen Moment. Dann machst du alles richtig.